FAQ Brachionus- Rädertierchen Zucht

von Iris Bönig


Mehr über Rädertierchen

Das zur Zucht bekannteste Zooplankton sind Rotatoria, auch als Rädertierchen der Gattung Brachionus bekannt. Rädertierchen verfügen über einen sehr geringen Nährwert für die Larven, aber es ist klein und sehr gut zu vermehren, so das man eine geeignete "Hülle" hat, welche man auf unterschiedliche Art gut für die Larven anreichern kann.

Die Nahrung nimmt es mit dem Räderorgan, zum Beispiel Phytoplankton durch das Einstrudeln von Schwebepartikeln auf. Durch die Räderorgane oder dem mit Klebedrüsen behaftetem Fuß kann es sich fortbewegen. Brachionus sind getrenntgeschlechtig, jedoch können sie sich auch durch Parthenogenese (Jungfernzeugung) vermehren. Hierbei legen die Weibchen haploide Eier. Das sind Eier mit einem einfachen Chromosomensatz. Aus den unbefruchteten Eiern können dann die Zwergenmännchen schlüpfen. Die haben gerade mal die Größe von 40 µm, können sich jedoch mit miktischen Weibchen weiter verpaaren. Dies ist sehr interessant, wenn man kleine Larven aufziehen möchte. Man ist also in der Lage kleine Exemplare auszusortieren und mit denselben weiter zu züchten.

40fache Vergrößerung

Es gibt unterschiedliche Arten von Rädertierchen die in der Größe aber auch in der Fortbewegung schwanken können, einige Rädertierchen sind sehr langsam und träge und andere Arten bewegen sich schneller vorwärts, dies ist bei der Fischzucht ein wichtiger Faktor, denn einige Larven benötigen Zooplankton was sich schnell bewegt damit der Fressreiz bei der Larve ausgelöst wird. Die Größen der Arten Schwanken von 80-340 µm (mikron)

100fache Vergrößerung

Man kann die Größe der Brachionus auch durch die Salzdichte beeinträchtigen, wenn die Salzdichte höher ist, so kann das Brachionus dadurch beeinflußt werden und bleibt kleiner.

500 fache Vergrößerung

wo bekommt man Brachionus?

Sie können hier auf der Seite im Forum nach einem Ansatz fragen oder im Internet findet man diverse Züchtershops dort bekommt man auch Ansätze, die Preise liegen zwischen 5-10 Euro je nach Art und Menge.

Wie muss der Zuchtbehälter aussehen?

Das hängt davon ab wie viel Brachionus man zu einer/seiner Zucht benötigt. Für einen Wurf A.ocellaris reicht ein 60 cm Aquarium gut aus. Desweiteren wird eine Luftzufuhr benötigt damit das Wasser bewegt wird und eine ausreichende Sauerstoffversorgung gewährleistet ist in kälteren Räumen sollte man das Wasser auch auf 25 ° aufheizen, hierzu reicht eine Handelsübliche Aquarienheizung (Meerwassertauglich) aus. Anschliessend füllt man das Aquarium mit Phytoplankton bzw. mit frisch angesetztem Meerwasser welches mindestens 3 Tage gereift ist, bis man circa 10 cm Wasserstand hat.

Das Rädertierchen ist, was es frisst!

Phytoplankton nennt man pflanzliches Plankton, welches von dem tierischem Plankton (Zooplankton) und auch von manchen Larven verzehrt wird. So gibt es viele unterschiedliche Arten von Phytoplankton welches zur Zucht verwendet wird. Nannochloropsis salina, Dunaiella salina , Isochrysis galbana, Tetraselmis usw.. jedes Phytoplankton hat gewisse Inhaltsstoffe: eines ist reicher an Omega Fettsäuren, das andere beinhaltet mehr Lipide usw. Aber es gibt natürlich auch Unterschiede in der Größe des Phytoplanktons. Man muss also für die jeweilig zu züchtende Art das passende Plankton finden, das dann auch den richtigen Nährwert zur richtigen Zeit liefert. Um Brachionus zu vermehren gibt es unterschiedliche Arten

1. Mit Phytoplankton

2. Mit Produkten wie Cultur Selco 3000, Super Selco usw...

Cultur Selco 3000

3. Mit Hefe

Phytoplankton (N.salina) ist in der Regel die einfachste Variante da man die Kultur nicht wie mit anderen Produkten überfüttern kann. Nachteil bei Produkten wie Cultur Selco ist das man bei Überfütterung die Kultur schnell verderben kann. Die Wasserwerte werden innerhalb kurzer Zeit so schlecht das die Brachionus absterben. Wenn man mit Futterprodukten arbeiten möchte, gilt der Grundsatz weniger ist mehr, es reicht völlig aus wenn man auf 1 Liter Brachionusansatz eine Prise von dem Produkt/Hefe in Wasser gründlich auflöst und dosiert, hierzu eigenen sich hervorragend Milchaufschäumer. Es wird grundsätzlich erst wieder nachgefüttert wenn das Wasser komplett aufgeklart ist. Hat sich die Brachionusdichte vergrößert so kann man die Dosierung vom Futter/Wasservolumen langsam stetig erhöhen.

Brachionus an die Larven verfüttern

Früher hat man häufig die Rädertierchen mit dem Kulturwasser zu den Larven gegeben, dies hatte den Nachteil das man die Wasserwerte in den Aufzuchtsbecken verschlechtert hat. Ammoniak und Nitrit schossen in die Höhe, zum Leid der Larven. Heute ist man dazu übergegangen die Brachionus auszusieben 110-40 µm bei kleineren Arten kann man Gaze bis 40-11µm verwenden. In diversen Züchtershops findet man geeignete Siebgewebe (Gaze) aus Nylon oder Polyester.

im Handel erhältlich

Mit den unterschiedlichen Größen kann man die Brachionus gut nach Größe aussieben, zuerst wird durch das größte Sieb gefiltert dann durch das nächst kleinere usw. Ein Stück Gaze mit der Größe von 10x10cm kostet so um die 2,00-5,50 Euro je nach Anbieter und Maschenweite. Tipp: Vor den Aussieben empfiehlt es sich die Gaze zunächst mit warmen Wasser durchzuspülen da man ansonsten bei engeren Maschen teilweise sehr langsamen Durchfluss hat. Viele Züchter bauen sich Ihr Gazesieb selbst, dies funktioniert sehr gut, wenn man die Gaze an ein Rohrstück anklebt, ich persönlich fixiere die Gaze mit einem Gummiband an einem langen Rohr so kann ich sie anschliessend besser reinigen.

Das Sieb wird dann in einen geeigneten Eimer gestellt, damit die Brachionus beim aussieben nicht zu sehr geschädigt werden wenn sie an die Gaze gepresst werden, durch das Wasser in dem Eimer entsteht ein leichter Gegendruck. Das hierdurch entnommene Wasser können sie dann verwerfen und durch neues Salzwasser ergänzen.

Anreicherung der Brachionus

durch die Verwendung von Cultur Selco 3000, Super Selco werden die Brachionus schon angereichtert, jedoch ist der HUFA Gehalt (Omega Fettsäuren) sehr unterschiedlich. Für die Aufzucht von Fischlarven spielen EPA (Eicosapentaensäure), DHA (Docosahexaensäure) und ARA (Arachidonsäure) eine ganz wichtige Rolle, das Verhältnis der Fettsäuren muss zueinander passen. Desweiteren werden von den Fischlarven Vitamine, Aminosäuren, Lipide usw benötigt. Phytoplankton bringt von Natur aus schon viel der erforderlichen Substanzen mit.

Um einmal die Unterschiede zu verdeutlichen eine kleine/kurze Auflistung

Anreichungsprodukte:

Selco 15.6 (n-3) HUFA
DHA-SuperSelco 116.8 (n-3) HUFA
Power Hufa 330.0(n-3) HUFA, EPA>5%, DHA >26%, ARA>1,5%

Power Hufa

Phytoplankton:

Tetraselmis sp.:EPA 5-20, DHA 0,1 ARA 02-1

Nannochloropsis salina:EPA 29,9,DHA -, ARA 5.89

Isochrysis sp. EPA 0,63 DHA 9,5, ARA 0,62

Zur Anreicherung wird die benötigte Menge ausgesiebte Menge Brachionus entnommen und in ein Behälter mit gereiften Salzwasser mit idealer Salzdichte überführt, hierbei muss unbedingt auf eine gute Sauerstoffzufuhr geachtet werden, da die Brachionus sonst quasi "ersticken". Für eine einfache Anreicherung belässt man die Brachionus 12 Stunden in dem Behälter möchten Sie eine intensive Anreicherung so werden die Brachionus wieder ausgesiebt und erneut 12 Stunden in dem Anreicherungsprodukt Ihrer Wahl angereichert. Vor dem verfüttern siebt man dann die Brachionus erneut aus und reicht sie an die Larven als Nahrung weiter. Für die Menge des Anreicherungsmitte beachten Sie bitte die Herstellerangaben, da diese sehr unterschiedlich sind. Tipp: Sollten die Brachionus beim Aussieben zusammen kleben oder an der Wasseroberfläche treiben, verringern sie das nächste mal die Dosierung und tasten sich langsam an Ihre Idealdosis ran.

Wichtige Informationen

Sauberkeit das oberste Gebot! Pipetten, Planktonsiebe sollten am besten nur für eine Brachionus-Kultur verwendet werden bzw. müssen diese peinlichst desinfiziert werden, will man sich die Brachionus nicht überall einschleppen.

Für eine dauerhaft stabile Kultur sollte man regelmäßig ein paar Brachionus der alten Kultur entnehmen und damit eine neue Kultur starten.

Der Aufzuchtsbehälter der Brachionus sollte regelmäßig gereinigt werden (wöchentlich) hierzu siebt man die Kultur aus und setzt diese in frischem gereiften Salz/Phytowasser an.

Verwenden Sie Phytoplankton für die Brachionuskultur, sollten Sie das Phytoplankton vor dem direkten verfüttern an die Brachionus nicht düngen! Warten Sie damit lieber, bis sich der Dünger aufgebraucht hat, so vermeiden Sie, den Nitrat- Phosphatwert durch Dünger in der Brachionuskultur unnötiger Weise zu erhöhen. Desweiteren würden die Larven durch den Dünger (der über die Brachionus mitgereicht wird) Schaden nehmen.

Haben Sie noch Fragen, möchten Sie noch etwas anfügen? Wir helfen Ihnen gerne in unserem Forum weiter!

(c) Text u. Bilder Iris Bönig, Dietmar Schönfelder, Sylvio Heydenreich

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