Pseudochromis fridmani

von Iris Bönig

 


Die Nachzucht von Meerwassertieren stellt eine große Herausforderung dar. Es ist nicht immer einfach das richtige Futter in der passenden Größe und in ausreichender Menge zur Verfügung zu haben. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl und Zeitaufwand sollte auch der private Aquarianer die Möglichkeit haben, marine Nachzuchten groß zu ziehen. Aus diesem Grund möchten wir unsere Erfahrungen mit P. fridmani wiedergeben.

Die Eiablage
Das Männchen bereitet einen geeigneten Brutplatz vor, hierzu eigenen sich ausgezeichnet umgedrehte Muschelhälften oder halbe Tontöpfe (ca 7-10 cm), welche auf dem Bodengrund liegen . Das Männchen trägt den Bodengrund unter der Muschelhälfte/Tontopf bis auf den Aquarienboden ab. Die Balz erfolgt im Laufe des Tages. Das Männchen schwimmt hierzu immer wieder zum Weibchen und zupft auch gelegentlich an den Flossen, um das Weibchen an seinen gebauten Brutplatz zu locken. Man sieht die beiden Tiere dann bis zu 1 Stunde nicht mehr. Erblickt man dann das Weibchen mit leicht zerfledderten Flossen, weiß man das der Laichvorgang beendet ist . Der Eiballen liegt bei unseren Tieren immer auf der Bodenscheibe
In einem Bericht von Carsten Weber in DAS AQUARIUM 1/97 steht das die Tiere den Eiballen unter der Höhlendecke anheften, dies konnten wir jedoch nicht beobachten.

Der Schlupf
je nach Temperatur schlüpfen die Larven, zwischen dem 5. und 7. Tag. Bei einer Wassertemperatur von 26 Grad schlüpfen die Larven bei uns am 5 Tag. Der Schlupf beginnt mit dem erlöschen der Beleuchtung; spätestens nach 30 Minuten können wir die ersten Larven abschöpfen. Wenn der Schlupftag bekannt ist, stellt man mit dem erlöschen der Beleuchtung in jedem Fall die gesamte Strömung ab. Da die Larven pelagisch sind, schwimmen sie zu einer Lichtquelle. Dafür plazieren wir eine Taschenlampe auf dem Aquariensteg, unter der Lampe befindet sich ein Pappstück in dem wir ein Loch von circa 5 bis 10mm im Durchmesser gemacht haben, damit sich die Larven an einem Punkt im Aquarium ansammeln. Im gesamten Lichtkegel kann man dann gut die Neugeborenen entdecken. Durch das Anheben der Taschenlampe schwimmen die Larven, welche sich auch in Bodennähe befinden mit in Richtung Wasseroberfläche, so dass man sie mit dem Licht dirigieren kann. Die Larven werden mit einem Messerbecher von der Oberfläche entnommen und in ein spezielles Aufzuchtsbecken überführt.

Das Aufzuchtsbecken
bei dem Aufzuchtsbecken handelt es sich um ein 60cm Aquarium welches lediglich mit einer Heizung, Licht (18 Watt Röhre) und einer Luftzufuhr ausgestattet ist. Die Rück und Seitenwände wurde abgedunkelt (näheres in Aufzucht zu lesen). Das Aquarium wird erst bei/mit dem Abschöpfen der Larven befüllt. Natürlich sollte man kurz zuvor schon etwas Wasser ohne Larven einfüllen damit sicher ist das auch für die ersten Larven ausreichend Wasser vorhanden ist. Nach dem einbringen der gesamten jungen stellt man die Heizung und die Luftzufuhr an, hierzu benutzten wir einen Ausströmerstein der für eine leichte weiche Strömung sorgt.
Eine weitere Beobachtung die wir machen konnten war, daß die Larven das Futter erst mit dem Maul anstupsen. Unternimmt das Futter einen Fluchtversuch nimmt die Larve eine S-Stellung ein, erst dann wird sofort zu geschnappt. Dies Verhalten behalten die Larven bis zu Metamorphose bei.

Die Fütterung
da die Larven nur über einen sehr kleinen Dottersack verfügen, füttern wir sie bereits ab dem 1 Tag. Es ist unglaublich was die kleinen an Nahrung zu sich nehmen, so konnten wir beobachten, das eine Larve circa alle 20 Sekunden nach Futter schnappt. Als Futter bieten wir Brachionus welches zuvor mit Cultur Selco 3000, Astaxanthin und weiteren Vitaminen gefüttert wurde. Zusätzlich geben wir den Larven beim täglichem Wasserwechsel von circa 5 Liter tropfenweise 1 Liter Phytoplankton hinzu, damit die Brachionus genügend Nährstoffe beinhalten. Die Brachionus werden durch ein Planktonfilter ausgesiebt und es werden lediglich so viele verfüttert, dass die Brachionus innerhalb von circa 2 Stunden fast restlos vertilgt sind. Hungrige Brachionus machen keine Larve satt.

Weitere Beobachtungen bei der Aufzucht
ab dem 15 Tag füttern wir zusätzlich frisch geschlüpfte Nauplien, welche genauso wie die Brachionus angereichert werden. Die Larven zeigen ab diesem Alter eine sehr schreckhafte Verhaltensweise. Entgegen der Angabe von Wolfgang Mai Artikel in der Koralle Nr. 16 August/September 2002, haben wir beobachtet dass die Larven dieses Verhalten auch zeigen, wenn zahlreich Futter vorhanden ist.
Die täglichen Routinearbeiten werden zu einer richtigen Herausforderung. Außerdem muss man sich sehr vorsichtig vor dem Aquarium bewegen und auf Geräusche reagieren die Larven auch mit blitzartigen Fluchtversuchen mit der Folge, dass sie frontal gegen die Scheiben schwimmen. Des Weiteren liegen die verschreckten Larven auf dem Boden und nehmen eine krümmende Haltung an. Ähnliches ist uns auch aus der Aufzucht von A. kauderni bekannt.
Aus diesem Grund wurde das Aufzuchtsbecken von möglichst vielen Seiten abgedunkelt und mit PVC Röhrchen bestückt. Ab dem 18. Tag beginnen die Larven eine zarte rosa Färbung zu bekommen. Mit 3 Monaten ist es ein richtiger kleiner Fisch, ca. 3 cm lang.

In dem Gebiet der Fischnachzucht ist noch einiges an Forschungsarbeit zu tun. Wie speziell nun auch bei P. fridmani. Das Gelege beinhaltet ca. 800 Eier, im Gegensatz ist es nur ein verschwindend geringer Prozentsatz, welcher zu Jungfischen heranwächst.

Nachtrag 2008

Durch Veränderungen und Optimierungen bei der Larvenaufzucht gab es nun deutliche Fortschritte unser Problem lag darin, dass die Larven mehr Energie für die Metamorphose benötigen, daher haben wir uns ein eigenes Futter für diese Ansprüche herstellen lassen welches bereits im Larvenstadium gefüttert wird durch diese Ernährungsumstellung konnte das Schockverhalten deutlich verringert werden.

(C) Text und Bild Iris Bönig

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