Medusen
im Aquarium sind eher die Ausnahme in der privaten aquaristischen
Praxis. So möchte ich einen kurzen Bericht über einen Vertreter dieser
faszinierenden Wesen geben. Vor einiger Zeit richtete ich mir ein
zweites Aquarium ein um es als Technikbecken und gleichzeitig als
Refugium im Verbund mit dem Wohnzimmeraquarium zu nutzen. Es sollten
Tiere und Algen gepflegt und vermehrt werden, die im
Gesellschaftsaquarium kaum Überlebenschancen haben. Um eine größere
Vielfalt im Refugium zu haben, kaufte ich mir einen Stein mit einer
Grünalge Chlorodesmis fastigiata.

Diese Pflanze stammt nachweislich aus dem Indopazifik. Dieser Stein
hatte es in sich! Zunächst von mir unentdeckt konnten sich einige
Hydroidpolypen vermehren. Als ich sie dann das erste Mal sah, war es
für ein Vorgehen dagegen zu spät. So habe ich mir diese Tiere
eingeschleppt. Die Entwicklung nahm ihren Lauf und das Gestein sowie
Teile des Bodengrundes wurden durch die Hydroidpolypen besiedelt.
Diese Polypen sind weiß und stehen
aber als Einzelpolypen- für die Bestimmung der Tierart ein wesentliches
Unterscheidungsmerkmal. Diese Polypen wurden nun mittels Artemia salina
gefüttert, so dass sie gut gedeihen konnten. Die am Ende dieser Polypen
wachsenden Medusen sind Bestandteil des Lebenszyklus der Tiere.

Die Vermehrung des Polypen ist
ungeschlechtlich, die Medusen sind dagegen auf eine geschlechtliche
Vermehrung und Ausbreitung angewiesen. Dabei kommen auch zwittrige
Arten vor, in der Regel sind sie aber getrennt geschlechtlich. Diese
Lebensweise bietet den Tieren einige Vorteile. Die Polypen können ein
Gebiet schnell besiedeln wenn die Nahrungsgrundlage stimmt, die Medusen
können die Art verbreiten durch Schwimmen aber auch durch die
Verdriftung durch die Strömungen. Wie auf dem Bild gut zu erkennen ist,
wachsen die Medusen am Ende des Polypen heran. Die Polypen schnüren das
Ende ihres Schlauchkörpers ab und die Meduse schwimmt nun frei.
Die Meduse

Der Anblick dieser Tiere ist
faszinierend. Die frei schwimmenden Medusen haben etwa 3-4 mm
Durchmesser, die Färbung bildet sich innerhalb weniger Stunden. Wie auf
diesem Bild sehr schön zu sehen ist, sitzen diese Medusen mit dem
Schirm nach unten auf dem Sandboden.
Warum ist das so? Im Körper dieser
Tiere sind Zooxanthellen eingelagert, die für den Stoffwechsel der
Medusen erforderlich sind. Um das zu optimieren legen sich die Tiere
auf ein Substrat und befestigen sich mit ihrem Schirm. Die
Zooxanthellen sind in der Epidermis der Tiere eingelagert.

Die zweite Ernährungsform ist die
aktive Jagd auf Zooplankton, welches sie mit Hilfe ihres
Nesselapparates fangen können. Somit ist ihre Lebensweise semisessil,
für die Artbestimmung ein weiterer und wichtiger Hinweis. Die Medusen
besitzen sehr differenzierte Körperzellen. Die bekanntesten sind die
Nessel- und Klebezellen mit denen sie Beute machen. Einige dieser
Zellen bilden sich erst während die Meduse wächst, auf dem unteren Bild
ist das gut zu erkennen.

Interessant sind die Nahaufnahmen
der blauen Struktur im Schirm.

Diese scheinen als eine Art
Leitbahn zu fungieren, im Zentrum sieht man wie kleinere Partikel
transportiert werden. Von der Struktur der Bildmitte, wo diese Zellen
stark gekrümmt sind gehen die Schirmbewegungen der Meduse aus, da wird
auch der Partikelstrom bewegt.
Die Bestimmung der Art
Leider ist mir als Laie eine
Artbestimmung unmöglich. Eine Meduse dieser Lebensweise und sehr
ähnlichem Aussehen aus der Gattung der Cassiopeia ist die Mangroven-
Meduse Cassiopeia xamachana BIGELOW 1892. Sie kommt, so weit mir
bekannt ist in der Karibik vor. Da der Stein mit den Polypen aber nicht
von da kommt ist es schwierig diese Art zuzuordnen.
Die Ordnung der Rhizostomae (Wurzelmundquallen) ist mit den
Fahnenquallen nahe verwand. Es fehlen die Tentakel am Schirmrand, die
Mundtentakel sind zu Röhren verwachsen. Die Wurzelmundquallen sind
damit zu einer filtrierenden Lebensweise übergegangen.
Quallen haben Feinde

Mein Wohnzimmeraquarium hat
erstaunlicherweise keine Population dieser Art aufzuweisen. Diese
Qualle wird, so vermute ich von meinem Kaiserfisch gefressen, ein
Pomacanthus semicirculatus. Jedenfalls habe ich nach mehreren Wochen
keins dieser Polypen und Medusen entdecken können. Auch in der Natur
werden Quallen häufig von Schildkröten gefressen. Eine andere Art der
Medusen wächst dort allerdings, doch ich empfinde sie nicht als
störend. Und da sie nicht dominant ist, dulde ich sie.
Auch hier ist mir eine
Artbestimmung dieser Cnidarien nicht möglich.

Sicher werden viele Aquarianer
diese Tiere schon an ihren Scheiben beobachtet haben. Sie sind
allerdings winzig im Vergleich zu den oben vorgestellten Medusen. Die
Wurzelmundquallen können eine Größe von 100 cm erreichen. Somit sind
diese Tiere eher wenig geeignet für eine Pflege zu Hause.
Für weitergehende Informationen empfehle ich folgende Internetsite:
http://www.lander.edu/RSFOX/310cassiopeiaLab.html
Quellen:
Pierre Tardent Meeresbiologie, Thieme Verlag 1979
Erhard, Moosleitner Meerwasseratlas Band 2, Mergus Verlag 1995
(c) Text Dietmar Schönfelder
Bild 1: Ralf Sündermann,
Bild 5,6,7,8,9 Dietmar Schönfelder
mehr darüber finden Sie bei: http://www.meerwasserlarven.de/andere/cassiopeia.htm